Hier haben wir unsere Geschichte einmal chronologisch zusammengefasst.


1807
Im 18. Jahrhundert bevorzugen aie Ostfriesen als Preußen (seit 1744) die Landesuniversitäten, namentlich Halle.

Nach der Kriegserklärung Preußens an Frankreich marschiert Napoleon 1806 in Halle ein. Es ist die erste preußische Stadt, die er auf seinem weiteren Vormarsch in Richtung Berlin erreicht. Die offen zur Schau gestellte trotzige Haltung der Hallenser Studenten nährt die Abneigung des Kaisers gegen alles Preußische, sodass er befiehlt, die Universität umgehend zu schließen. Alle auswärtigen Studenten müssen die Stadt verlassen.

Die aus Halle verwiesenen Ostfriesen schließen sich daraufhin einigen in Göttingen studierenden Jeveranern an. Das erste Zeugnis für ein Zusammenleben dieser Ostfriesen ist ein Eintrag im Gästebuch der Burgruine Hanstein, wo sich am 21. Juni 1807 eine Gruppe ostfriesischer Studenten unter der Devise „Vivat Ostfrisia“ einträgt.


1811
Im Juni 1811 wird die Frisia als eigenständige Landsmannschaft durch den „Allgemeinen Burschenconvent“ (offizielles Organ der Studentenschaft) Göttingens anerkannt. Da alle Verbindungen von den Behörden verfolgt werden, legt sich die Frisia bald die Tarnung eines „Klubs“ zu.

Ostern 1812 tauchen die alten Landsmannschaften schließlich unter dem Namen „Corps“ wieder auf, weil diese neutrale Bezeichnung den Franzosen unverdächtig erscheinen mußte. Die inzwischen mit den Klub-Bremensern befreundeten Friesen vereinigen sich mit diesen und erlangen als Corps Bremensia Aufnahme in den Senioren-Convent.

Infolge der Angliederung Ostfrieslands an Hannover nach dem Wiener Kongress von 1815 stellt sich seit Ostern 1816 ein starken Zuzug von Ostfriesen nach Göttingen ein, sodass diese den Neuanfang als eigenständiges Corps Frisia (Farben: rot–schwarz, Wahlspruch „In amicitia potestas!“ wagen.


1837
Ende der 30er Jahre des 19. Jahrhunderts kommt der sogenannte „Progreßstandpunkt“ auf: Freiheit und Gleichheit aller Studenten werden betont, die Formalcontrahage (Duelle auf der Grundlage provozierender Beleidigungen wie „Dummer Junge“) abgelehnt.

Bis zum Beginn der 50er Jahre kommt es in der Frisia immer wieder zu Richtungsstreitigkeiten zwischen den Anhängern des Progreß und denjenigen, die zu den althergebrachten Verbindungsidealen stehen. Im Jahr 1854 ist die Spaltung schließlich unausweichlich. Ein Teil der Mitglieder konstituierte das Corps Friso-Luneburgia, während die übrigen, dem Reformprinzip zugeneigten Mitglieder, fortan im Göttinger Lokal „Schwarzer Bär“ tagen (sogenannte „Bärenfriesen“).


1859
Um die öffentliche Vertretung der Studentenschaft nicht allein den Farbentragenden zu überlassen, gründet sich im Sommersemester 1859 die „Wildenschaft“ als Vereinigung aller Nichtkorporierten an der Georgia-Augusta. Vorsitzender des sogenannten „Wilden-Komitees“ wird der Friese Ernst Seitz, genannt „Bürger Seitz“. Damit steht die Frisia an der Spitze der studentischen Fortschrittsbewegung jener neuen Ära.

Zur Verwirklichung einer einheitlichen Organisation aller Studenten wird (wiederum unter Beteiligung von Ernst Seitz) im Juli 1863 ein „Allgemeiner Ausschuß der Studentenschaft“ – ein Vorläufer des heutigen AStA – gegründet.


1865
Ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bilden sich auch bei der Frisia langsam die Merkmale einer Korporation heutigen Typs heraus.

Dazu gehören ein eigenes Bundeslied (1865), die Anschaffung eigener Waffen (1871) sowie die Aufstellung einer Altherrenliste (1875). Während sich die Studenten zu Beginn des 19. Jahrhunderts lediglich für die Dauer ihres Studiums enger zusammenschlossen, versucht man nun, auch zu den bereits examinierten und nicht mehr in Göttingen befindlichen Mitgliedern Kontakt zu halten. Dies ist die Geburtsstunde des heutigen „Lebensbundprinzips„, das durch die Gründung eines Altherrenverbandes der Frisia im Jahre 1883 offizieller Bestandteil des Verbindungslebens wird.


1908
Rudolph Eucken (*1846 +1926), Alter Herr der Frisia, erhält 1908 den Nobelpreis für Literatur.

Eucken nahm im Jahre 1863 sein Studium der Altertumswissenschaften und der Philosophie in Göttingen auf. Nach Abschluß seiner Promotion setzte er ab 1866 seine dort begonnenen Aristoteles-Studien in Berlin fort. Bereits 1871 wurde er als Nachfolger seines ehemaligen Göttinger Lehrers Teichmüller und in Konkurrenz mit Friedrich Nietzsche an die Universität Basel berufen. Im Jahre 1874 wechselte er dann an die Universität Jena, wo er bis zu seiner Emeritierung im Jahre 1920 lehrte und schließlich bis zu seinem Lebensende blieb.

Den Höhepunkt seines Erfolges erreichte Rudolph Eucken mit der Verleihung des Nobelpreises im Jahre 1908. Es war die zweite Verleihung des Preises für Literatur an einen Nicht-Poeten, nach der an den Historiker Theodor Mommsen im Jahre 1902.


1909
Von 1855 bis 1909 existiert die Frisia als sogenannte „schwarze Verbindung„, d.h. ohne Farben. Verschiedene numerische Krisen zwingen schließlich zur Kehrtwende. Im Jahre 1909 werden die alten Farben wieder angelegt, 1913/15 erfolgt der Eintritt in die Deutsche Burschenschaft (DB).

1936 wird die Frisia infolge politischer Umstände aufgelöst; der Altherrenverband besteht weiter. Nach dem Krieg besteht die Frisia zunächst als „Tischgemeinschaft Dr. Hamburger“ weiter, später wieder als Burschenschaft Frisia.

Nachdem die Mitgliedschaft in der DB bereits seit langem Anlaß zu heftigen Diskussionen war, folgt die Altherrenschaft im April 2003 schließlich dem Antrag der Aktiven, aus der DB auszutreten. Anknüpfend an die Tradition von 1817 wird der alte Name „Corps Frisia“ wieder angenommen.


1911
Zum 100-jährigen Stiftungsfest im Jahr 1911 wird ein Grundstück am Nikolausberger Weg erworben. Der Bau des Friesenhauses findet während der schwierigen Kriegsjahre 1914–1918 statt.

Nachdem das traditionelle Stammlokal, der Schwarze Bär, seit 1915 an eine andere Verbindung vermietet worden war und ein geregelter Bundesbetrieb zwischenzeitlich nur schwierig aufrechtzuerhalten war, kann das neue Haus Anfang Mai 1919 endlich bezogen werden.

Als die Korporationen im Dritten Reich zunehmender Verfolgung ausgesetzt sind, wird das Haus an das Luftwaffenbauamt vermietet, um einer Enteignung durch die Nazis zu entgehen. Erst nach dem Krieg kann es wieder in vollem Umfang genutzt werden.


2005
Im Jahr 2005 erfolgte nach 150jähriger Trennung die Wiedervereinigung mit dem Corps Friso-Luneburgia zu Köln. Heute besteht die Frisia aus 230 Alten Herren sowie 20 Aktiven und Inaktiven. Damit ist sie eine der mitgliedsstärksten Verbindungen in Göttingen.


2011
Festkommers anlässlich unseres 200. Stiftungsfestes.